Peter Seyffardt, weinbaupolitischer Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion, reagierte verärgert auf die jüngsten Erklärungsversuche der Landesregierung in Rheinland-Pfalz, im Zusammenhang mit der Aufkündigung des Staatsvertrages zur Finanzierung der Forschungsanstalt Geisenheim. Es werde der SPD geführten Landesregierung nicht gelingen, sich in der Debatte um den aufgekündigten Staatsvertrag in Rheinland-Pfalz mit fadenscheinigen Ausreden aus der Verantwortung zu stehlen.

Trotz der Bitte aller Fachverbände die Zusammenarbeit mit Geisenheim in gleichem Maße aufrechtzuerhalten, begründete Hering das neue Angebot mit einer angestrebten Neuausrichtung der Weinforschung in Deutschland. Diese Argumentation ist fadenscheinig und verschweigt die wahren Motive. Minister Hering sollte auch dringend daran erinnert werden, dass der Staatsvertrag sich ebenfalls auf die Bereiche Gartenbau und Getränketechnologie bezog und in Geisenheim 60 Prozent der Studenten Rheinland-Pfälzer sind. Ferner führt Minister Hering an, Rheinland-Pfalz werbe mehr Drittmittel als Hessen ein. Er blieb jedoch auf Nachfrage  den Nachweis schuldig. Die Entscheidung zur Reduzierung des finanziellen Engagements ist rein politisch motiviert und lässt die Vermutung zu, dass bereits mit der Einführung des Studiengangs Weinbau in Rheinland-Pfalz die Weichen auf Rückzug gestellt wurden. 
"Wenn man weinbaupolitische Kleinstaaterei anstrebt, riskiert man bewusst die Schädigung eines international renommierten Instituts", so Seyffardt. Die Begründung von Hering bei einer Anfrage im rheinland-pfälzischen Landtag, man habe sich nicht in wichtige Entscheidungsprozesse der Forschungsanstalt einbringen können, entspricht nicht den tatsächlichen Begebenheiten. "Rheinland-Pfalz ist in einer respektvollen und gewinnbringenden Partnerschaft mit Hessen stets angemessen behandelt worden und konnte selbstverständlich Einfluss auf wichtige Struktur- und Forschungsentscheidungen nehmen", stellte Seyffardt klar. 
Die Privilegien des Landes Rheinland-Pfalz in der Forschungsanstalt umfassten unter dem Staatsvertrag bislang: 
1. Mitsprache bei der Genehmigung des Entwurfs des Haushaltsvorschlags im Verwaltungsrat. 
2. Mitsprache bei der Genehmigung des Forschungsprogramms. 
3. Mitsprache bei grundsätzlichen Entscheidungen über den Einsatz von Stellen und Mitteln aus dem Forschungspool. 
4. Zustimmung bzw. Mitsprache bei der Ernennung des Direktors der Forschungsanstalt, der Bestellung der Institutsleiter, des Verwaltungsleiters und der Berufung von Professoren. 
5. Mitwirkung bei Grundsatzfragen der Organisation der Forschungsanstalt. 
6. Genehmigung des Investitionsplans und des Jahresberichts. 
7. Die Universität Mainz hat das Recht auf die wissenschaftliche Infrastruktur der Forschungsanstalt zuzugreifen. 
"Rheinland-Pfalz werde sich unangenehme Fragen über die tatsächlichen Motive gefallen lassen müssen. Es sei in jedem Falls schade, dass die SPD in Mainz in derart kleinen, auf Landesgrenzen beschränkten Karos denkt", so Seyffardt abschließend.

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