• Sybille Steinbacher Inhaberin des bundesweit ersten Lehrstuhles an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M. für die Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust
  • Sascha Feuchert tritt in Gießen die neu eingerichtete Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik an
  • Land unterstützt Fritz Bauer Institut in Frankfurt und die Holocaust-Professur 2017 mit insgesamt 525.100 Euro – weitere 200.000 Euro pro Jahr fließen bis 2020 nach Gießen

Die Forschung über den organisierten Mord am europäischen Judentum und über die Folgen dieses Verbrechens hat in den vergangenen Wochen in Hessen eine deutliche Stärkung und Aufwertung durch zwei spezialisierte Professuren erfahren. Der zuständige Sprecher der CDU-Fraktion und Mitglied im Ausschuss für Wissenschaft und Kunst des Hessischen Landtages, Jürgen Banzer, erklärte im Rahmen der Plenardiskussion hierzu:

„Die nationalsozialistische Gewaltherrschaft in ihrem Wahn zielte nicht nur darauf ab, jüdische Mitbürger und andere Menschen zu drangsalieren, zu verfolgen, zu deportieren und zu töten. Sie wollte vielmehr alles jüdische Leben in Deutschland und Europa, eine reiche kulturelle Tradition und ihre über Generationen hinweg reichende Überlieferung vollständig auslöschen. Eine wesentliche Aufgabe von Holocaustforschung ist daher die Arbeit wider das Vergessen, das Verdrängen und die Wiederholung. Nur wer aus diesem Kapitel der Geschichte gelernt hat, ist fähig, im demokratischen Deutschland Verantwortung zu übernehmen.

Die Erinnerung an den Holocaust durch einen aktiven Umgang mit der Literatur auch dann noch zu sichern, wenn die Generation der Zeitzeugen in naher Zukunft nicht mehr ihre Stimme sein kann, ist Aufgabe der Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik. Sie wurde heute von Sascha Feuchert übernommen, dem bisherigen Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU).

Dieser schwierigen Herausforderung stellen sich auch das Fritz Bauer Institut und der neue Lehrstuhl an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt; für beides konnte mit Sybille Steinbacher eine renommierte und geachtete Forscherin gewonnen werden, der wir für ihre Arbeit viel Erfolg und eine breite Wirkung wünschen.

Dieser neue Lehrstuhl ist zugleich eine Anerkennung der Leistungen des Institutes und stärkt seine wissenschaftliche Arbeit. Fritz Bauer hat seinerzeit gegen massivste Widerstände durchgesetzt, dass die Täter Anfang der 1960er Jahre in Frankfurt vor Gericht kamen. Er war ein unermüdlicher Kämpfer gegen das Vergessen und für die Gerechtigkeit. Der neue Lehrstuhl setzt nun das Anliegen von Fritz Bauer für ein besseres Verständnis der nationalsozialistischen Verbrechen und deren Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart an dem nach ihm benannten Institut fort.“

Hintergrundinformationen:

Frau Prof. Dr. Sybille Steinbacher hat zum 1. Mai 2017 ihren Dienst als Direktorin des Fritz Bauer Institutes in Frankfurt angetreten. Damit verbunden ist der neue, bundesweit erste Lehrstuhl für die Erforschung der Geschichte und Wirkung des Holocaust an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt. Das Land unterstützt das Fritz Bauer Institut in diesem Jahr mit einer Förderung von 375.100 Euro und finanziert die Holocaust-Professur mit weiteren 150.000 Euro. Damit stehen 2017 für beide Einrichtungen insgesamt 525.100 Euro aus Landesmitteln zur Verfügung.

Zudem hat Herr Prof. Dr. Sascha Feuchert, Leiter der Arbeitsstelle Holocaustliteratur am Institut für Germanistik der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU), zum 1. Juni 2017 die an der JLU neu eingerichtete Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftungsprofessur für Neuere Deutsche Literatur mit dem Schwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur sowie ihre Didaktik übernommen. Das Land unterstützt über das „Innovations- und Strukturentwicklungsbudget“ den Ausbau der dortigen Arbeitsstelle „Holocaustliteratur“ bis Ende 2020 mit jährlich knapp 200.000 Euro.

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Stellvertretender Fraktionsvorsitzender, Sprecher für Finanzcontrolling und Verwaltungssteuerung, Staatsminister a.D.

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