„Die Tendenz zur immer stärkeren Verdrängung christlichen Glaubens aus unserem Alltagsbewusstsein ist leider nicht zu leugnen: In den Klassenräumen unserer Schulen und in den Gerichtssälen sollen keine Kreuze mehr hängen dürfen. Die Kindergärten verzichten aus Rücksichtnahme auf nicht-christliche Kinder auf das Singen von Weihnachtsliedern mit religiösem Bezug. Papst Benedikt XVI. bemerkt zu Recht, dass Gott zu sehr an den Rand gedrängt wird. Es ist die besondere Verantwortung der CDU deutlich zu machen: Das christliche Menschenbild ist der Ausgangspunkt unserer Politik“, sagte der Vorsitzende der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Dr. Christean Wagner, anlässlich der Veranstaltungsreihe „Was uns leitet – Eine Kultur der Bewahrung und Erneuerung“ am Dienstagabend. 350 Teilnehmer im Foyer des Hessischen Landtags bewiesen, dass die Frage nach einer Kultur der „Bewahrung und Erneuerung von Religion und Kirche" von großem Interesse ist.
 

  Gerade in einer Zeit der fortschreitenden Säkularisierung der Gesellschaft sei es zuallererst notwendig, dass sich Christen ihrer eigenen Religion und Werte versicherten. Der erst wenige Monate zurückliegende Besuch des Papstes in Deutschland habe die damit verbundenen Herausforderungen wieder stark ins öffentliche Bewusstsein gerückt. „Die Menschenwürde gilt von Anbeginn bis zum Lebensende. Unsere Wirtschafts- und Sozialpolitik ist darauf ausgerichtet und daraus ist die christliche Soziallehre entstanden. Dem Leistungsfähigen und Leistungswilligen muss die Möglichkeit gegeben werden, seine Talente zu entfalten, damit die Ergebnisse seiner Arbeit dem Schwachen helfen und dem Ganzen dienen. Um es mit Luther zu sagen: Zur ‚Freiheit eines Christenmenschen‘ gehört immer auch Verantwortung für den Nächsten und für die Gemeinschaft“, sagte Wagner. Nächstenliebe könne und solle nicht „verstaatlicht“ werden, „Fördern und Fordern“ sei der christliche Grundsatz, für den die CDU stehe.

  

Das friedliche Zusammenleben von Angehörigen unterschiedlicher Religionen sei die globale gesellschaftliche Aufgabe des 21. Jahrhunderts. „Gerade vor dieser Herausforderung ist es die Verantwortung christlich-demokratischer Politik, christliche Werte in Politik und Gesellschaft zu bewahren und zu erneuern. Wenn wir unsere christlichen Traditionen aufgeben, dann verlieren wir einen zentralen Orientierungspunkt in unserem politischen Handeln. Die Bewahrung und Erneuerung von Religion und Kirche stellt deshalb auch einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung und Erneuerung unserer Partei, unserer Gesellschaft und unseres Staatswesens dar“, so Wagner.

 
Pater Dr. Stefan Kiechle SJ wurde 1960 in Freiburg i. Br. geboren. Nach Studium der Theologie in Freiburg, Jerusalem und Frankfurt  sowie der Philosophie in München erfolgte die Promotion in Paris über ein Thema der spirituellen Theologie. Im Anschluss nahm er Lehraufträge in Paris (Centre Sèvres), Eichstätt (Katholische Universität, Master of ethical Management) und München (Hochschule für Philosophie, ab 2008) wahr. Pater Kiechle gehört dem Jesuitenorden an, der in 90 Provinzen eingeteilt ist, die jeweils von einem Provinzoberen, dem Provinzial, geleitet werden. Seit September 2010 ist Dr. Kiechle der Provinzial der Deutschen Provinz der Jesuiten.

 

Mit der Veranstaltungsreihe wolle die hessische CDU-Landtagsfraktion den öffentlichen Diskurs fortsetzen und eine „Kultur der Bewahrung und Erneuerung“ verstärkt in den Mittelpunkt rücken. „Gerade weil die Zeiten so schnelllebig sind, sollten wir alle neben dem politischem Alltagsgeschäft über den Tag hinaus denken. Dies wollen wir mit den acht Vorträgen führender Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Religion, Wissenschaft und Justiz fortsetzen. Wir versprechen uns von den Vorträgen wichtige Impulse nicht nur für unsere eigene politische Arbeit, sondern darüber hinaus auch für eine zukunftsgerichtete Gestaltung von Staat und Gesellschaft in unserem Land“, stellte Wagner klar.

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