"Das Thema Generationengerechtigkeit gewinnt in einer Zeit epochaler Veränderungen immer mehr an Bedeutung. Die Gefährdung unserer Umwelt, die Folgen der Globalisierung, die Anforderungen der Wissensgesellschaft, neue Bedrohungen unserer Freiheit, der demographische Wandel, aber auch die gegenwärtige Finanz und Wirtschaftskrise haben massive Auswirkungen auf die Lebensverhältnisse von heute und morgen", betonte der Fraktionsvorsitzende der CDU im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, zum Auftakt des 5. Vortrags im Rahmen der Veranstaltungsreihe der CDU-Fraktion "Was uns leitet ? Eine Kultur der Verantwortung" am Dienstagabend. 450 Teilnehmer bewiesen im Foyer des Hessischen Landtags in Wiesbaden, dass die Frage nach der Verantwortung für künftige Generationen von großem Interesse ist. Man wolle mit der Veranstaltungsreihe "über den Tag hinaus denken" und sich grundsätzlichen Fragestellungen der Gesellschaft widmen.

Mit Prof. Dr. Kurt Biedenkopf konnte die CDU-Fraktion einen Referenten gewinnen, der sich Zeit seines Lebens für die Lösung gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Fragen eingesetzt hat. Professor Biedenkopf, der im Jahr 1930 in Ludwigshafen geboren wurde, hat zunächst als Wissenschaftler sowohl in Deutschland als auch im Ausland gearbeitet. Später war er als Spitzenmanager in der Wirtschaft und dann als erfolgreicher Politiker und Ministerpräsident des Freistaates Sachsen tätig. Heute ist Prof. Biedenkopf unter anderem Vorstandsmitglied des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft.
"Zwischen den Generationen muss es gerecht zugehen. Deshalb ist es wichtig, einen fundierten Diskussionsprozess anzustoßen und dazu leistet Professor Biedenkopf seinen Beitrag. Uns als CDU leitet die Überzeugung, dass Bewährtes erhalten bleiben muss, wir aber auch mit notwendigen Veränderungen die Chancen für die Zukunftsgestaltung nutzen müssen", sagte Wagner.
 
Auszüge aus der Rede von Professor Biedenkopf: 
"Die Fragen, die wir klären bzw. lösen müssen, und zwar als Risiken zunehmen als große Probleme können aber nur unter Mitwirkung der Bevölkerung gelöst werden."
"Wachstum kommt nicht dadurch, dass die Regierung weitere Schulden macht, um die Wirtschaft anzuheizen, um den Konsum zu erhöhen. Das kann man vorübergehend machen."
"Die Vorstellung diese Verschuldung könne man durch Wachstum abtragen ist zumindest gefährlich. Wenn man diesen Weg geht, wird man letztendlich eher den Weg gehen, dass man sich der Verschuldung durch Inflation entzieht, weil die Sache mit dem Wachstum nicht mehr funktioniert. Sie werden in einer Gesellschaft, deren Durchschnittsalter knapp 50 oder darüber ist, diese Energien nicht mehr freisetzen können. Es wird eine große Leistung sein, wenn wir durch immer weitere Innovation unsere jetzige Position als wichtige Volkswirtschaft auf der Erde und als exportorientierte Volkswirtschaft sichern können. Und darauf die Anstrengung zu richten, ist außerordentlich wichtig."
"In einer Gesellschaft in der man hohe Anstrengungen macht, um die gegenwartsbezogene Gerechtigkeit zu verbessern und gleichzeitig die Gerechtigkeit zwischen den Generationen mit Füßen tritt, kann auf die Dauer die Gerechtigkeit nicht existieren. Denn der Widerspruch zwischen einer in den Augen meiner Enkel egoistischen Gerechtigkeitsdebatte und der Notwendigkeit, die Dinge in unserem Land so zu gestalten, dass die jungen Leute sich noch in 20, 30 Jahren motiviert fühlen, eine dann sehr viel schwierigere Aufgabe zu lösen. Diese beiden gehören auf das engste zusammen."
"Wir akzeptieren keine Entwicklung, die unsere Enkel enteignet."
"Wir müssen riesige innovative Leistungen erbringen, um diese [globale] Bevölkerung wenigstens mit einem Grundbestand an Wasser und Nahrungsmittel zu versorgen, wenn es nicht riesige Probleme geben soll. Und das müssen wir deshalb machen, weil wir in den Augen der Menschheit eine kleine Minderheit sind, der es extrem viel besser geht, als der großen Mehrheit."

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