• Dank an alle Anzuhörenden, Sachverständigen und Verbandsvertreter für ausführliche und sachdienliche Fachdiskussionen
  • Sachverständige liefern zahlreiche Argumente für das hessische Modell freiwilliger und bedarfsorientierter Ganztagsangebote, anstelle gebundener Zwangsganztagsschulen
  • Grundsätzliche Unterschiede zwischen CDU und Opposition bleiben bestehen: Förderschulen und leistungsgerecht gegliedertes Schulsystem sind für uns unantastbar

Anlässlich der heutigen Plenardebatte zum Abschlussbericht der Enquete-Kommission Bildung erklärte der Obmann der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Armin Schwarz:

„Durch die Auswertung und Interpretation empirischer Befunde und theoretischer Expertisen hat die Enquete-Kommission zur Zukunft der schulischen Bildung in Hessen einen wichtigen Beitrag zu einem vertiefenden Verständnis der zentralen Fragestellungen im Bereich der Bildungspolitik geleistet. Fast vier Jahre hindurch wurden in einem breiten Dialog zwischen Politik und Wissenschaft unterschiedliche Forschungsansätze analysiert und Impulse für konkrete Lösungsmodelle und Handlungsempfehlungen der Bildungspolitik erörtert. In ausführlichen und sachdienlichen Fachvorträgen haben zahlreiche Experten schließlich 15 Themenfelder aus dem breiten Spektrum der Bildungswissenschaften dargestellt und anschließend mit den Fraktionen und den beteiligten Vertretern der Lehrerverbände kontrovers diskutiert. Neben den jeweiligen Fachleuten zu einzelnen Themenschwerpunkten wurden die Fraktionen durch ständige Sachverständige unterstützt - als CDU-Fraktion hatten wir dabei mit dem rund drei Jahrzehnte als Präsident des Deutschen Lehrerverbandes amtierenden Pädagogen und Schulleiter Josef Kraus einen profilierten und kompetenten Bildungsexperten und Schulpraktiker für die Mitarbeit gewinnen können. Unser Dank gilt daher allen Anzuhörenden, Sachverständigen und Verbandsvertretern, die in vier Jahren ihre Expertise, ihre Positionen und ihre Sichtweisen in die Diskussionen eingebracht haben.

Vier der fünf einschlägigen Anzuhörenden fordern mit großer Übereinstimmung eine Zurückhaltung im Bereich der Digitalisierung und die Hervorhebung der analogen Bildung, insbesondere im Primarbereich gefordert. Unabdingbar ist auch eine möglichst praxisorientierte Lehrerbildung, den Erhalt bestehender Schulstrukturen im ländlichen Raum und die bereits beim Bildungsgipfel konsentierten Maßnahmen zur Stärkung der dualen Ausbildung. Besonders aufschlussreiche Akzente wurden zudem in der Anhörung zur Frage der Ganztagsbeschulung im Juli 2015 gesetzt.

Entgegen der von der Bertelsmann-Stiftung und der SPD kontinuierlich erhobenen Forderung nach Zwangsumwandlung von Schulen in gebundene Ganztagsschulen, hat analog zu ähnlichen demoskopischen Befunden auch der von der Opposition benannte Sachverständige Ludwig Stecher in einer landesspezifischen Studie hervorgehoben, es gebe in Hessen ‚bei den Eltern keine Mehrheit für eine flächendeckende verpflichtende Teilnahme der Kinder an der Ganztagsschule.‘ Darüber hinaus zeige die Studie auch, dass wir in Hessen ‚an den ganztägig arbeitenden Schulen mit Blick auf einen nicht zu stillenden Bedarf tatsächlich keinen großen Überhang haben.‘ Die Sachverständige Wichmann hat überdies darauf hingewiesen, dass viel zu hohe und falsche Erwartungen an die Ganztagsschule gestellt werden, die diese nicht oder nur sehr schwer erfüllen kann. Der Sachverständige Brenner gab ferner zu bedenken, dass Länder mit traditioneller Ganztagsbeschulung wie Frankreich aktuell eine Rate von 25 Prozent Abgängern ohne Schulabschluss hervorbringt, darunter vor allem Kinder aus benachteiligten Familien mit Migrationshintergrund.

Das Land Hessen hat demgegenüber trotz eines hohen Ausländeranteils die niedrigste Quote von Schülern ohne Abschluss in ganz Deutschland vorzuweisen. Die wissenschaftlichen Befunde bestärken uns als CDU-Fraktion somit auch in unserer Grundhaltung, die Schüler nicht gegen den Willen der Eltern von der Grundschule an in eine 40-Stunden-Woche zu zwingen, sondern mit flexiblen, passgenauen und bedarfsorientierten Angeboten ein Höchstmaß an Angebotsvielfalt und Wahlfreiheit im Ganztagsbereich sicherzustellen.

In maßgeblichen Grundsatzfragen zu der am besten geeigneten Struktur des Schulwesens konnten allerdings keine Übereinstimmungen oder nur Annäherungen zwischen den Fraktionen erzielt werden. Insbesondere im Bereich der Inklusion stieß das Bemühen der Enquete-Kommission, um gemeinsame Handlungsempfehlungen an seine natürlichen Grenzen. So hat sich die SPD für einen drastischen Abbau der Förderschulen und eine flächendeckende Radikalinklusion unter Einbeziehung aller Schulen ausgesprochen. Mit der in ihren Handlungsempfehlungen im Abschlussbericht erhobenen Forderung, dass die Abschlüsse in der Sekundarstufe unabhängig von objektiven Prüfungsleistungen und nachweisbaren Kompetenzen vergeben und die Lehrpläne von den Schuljahren gelöst werden sollen, wird das SPD-Konzept von Inklusion als Vorstufe zur Einheitsschule ersichtlich. Folglich hat sich auch SPD-Obmann Gerhard Merz in der Frankfurter Rundschau am 16. März 2018 zu den Ergebnissen der Kommission geäußert: ‚Wir sagen, es kann nur eine, die inklusive Schule geben, die CDU will zwei Systeme beibehalten. Das steht gegeneinander, da unterscheiden wir uns auch.‘ In der Tat: Als CDU-Fraktion halten wir an den bewährten Förderschulen als wesentlichen und unverzichtbaren Bestandteil des hessischen Schulsystems fest. Sie stellen ein erfolgreiches und attraktives Bildungsangebot mit kleinen Klassen, optimaler Förderung und gesicherte Übergängen dar, leisten mit den sehr gut ausgebildeten Förderschullehrkräften eine hervorragende Arbeit und sind zum Erhalt von sonderpädagogischer Fachlichkeit unerlässlich.

Nicht zuletzt hat auch die Enquete-Kommission einmal mehr keinen einzigen wissenschaftlichen Beleg erbringen können, wonach integrative bzw. Einheitsschulsysteme in Bezug auf Leistung, Wissensstand und Kompensation herkunftsbedingter Defizite konkurrenzfähig zu den Schulformen des gegliederten Schulsystems wären. Auch dies bestärkt uns in unserer Auffassung, dass wir die Schulvielfalt und Wahlfreiheit im Rahmen eines begabungs- und leistungsgerecht gegliederten Schulwesens im Sinne der Zukunftschancen der Schüler weiter aufrechterhalten und stärken werden."

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag

Ihr Ansprechpartner

armin.schwarz

Armin Schwarz

Bildungspolitischer Sprecher

Kontakt für Rückfragen