• SPD-Forderungen nach Ergebnisgleichheit und Abitur für alle ignorieren unterschiedliche Begabungen und Veranlagungen von Kindern
  • Bildungsgerechtigkeit setzt die Bereitschaft zu Leistung und zum Erlernen der deutschen Sprache voraus
  • Drohung der SPD mit gebundenen Zwangsganztagsschulen ignoriert Wünsche der Eltern und wissenschaftliche Erkenntnisse

Anlässlich des heutigen Setzpunktes der SPD zur Bildungsgerechtigkeit in Deutschland erklärte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Armin Schwarz:

„Das von der SPD mit der Unbelehrbarkeit verbreitete Schreckgespenst einer vorgeblichen Bildungsungerechtigkeit in Deutschland ist bei genauerer Betrachtung ebenso sehr ein den Fakten entfremdetes Zerrbild wie das vermeintliche Wunderheilmittel der flächendeckenden gebundenen Zwangsganztagsschule. In keinem anderen europäischen Land haben junge Menschen mit allen ihren unterschiedlichen Talenten und Begabungen bessere berufliche Perspektiven und Karriereaussichten als in Deutschland. Die Arbeitslosenquote bei Jugendlichen ist nicht nur seit Jahren die mit Abstand niedrigste aller 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, sondern konnte im laufenden Jahr erneut auf einen Tiefstwert von 6,6 Prozent gesenkt werden.

Dass junge Menschen in Lohn und Brot gebracht werden und dadurch Auszubildende wie Studierende gleichermaßen ausgezeichnete Zukunftschancen genießen, ist zwangsläufig die unmittelbare Folge des leistungsfähigen und erfolgreichen deutschen Schulsystems mit einem hohen Maß an begabungsgerechter Differenzierung und Durchlässigkeit. In Ländern wie Frankreich mit historisch gewachsenen und einheitlichen Ganztagsschulsystemen und hohen Akademikerquoten liegt die Jugendarbeitslosenquote dagegen bei 22 Prozent; die Zahl der Schulabgänger ohne Schulabschluss ist dort mehr als dreimal so hoch als in Deutschland. Alleine vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Welches Bildungssystem im Ergebnis wohl ein höheres Maß an Bildungsgerechtigkeit bietet – das der Ganztagsquoten oder das der tatsächlichen Qualifikationen und der gezielten schulischen Vorbereitung auf Leben und Beruf?

Die von der SPD angeführten Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (Iglu) liefern keine Belege für das SPD-Konzept einer flächendeckenden Zwangsganztagsschule – denn selbst bei dieser Studie rangiert mit Frankreich das Ganztagsvorbild der SPD in der Lesekompetenz hinter Deutschland. An der Spitze der Studie stehen dagegen mit Singapur und Hongkong Länder mit Schulsystemen, deren enormer Leistungsdruck und autoritärer Unterricht zwar die hervorragenden Leistungen erklärt, aber wohl kaum als Vorbild aufgefasst werden dürfte. Dass die Lese- und Rechtschreibkompetenzen gleichwohl bei Schülern in Deutschland auch Defizite aufweisen und daher nachhaltig gestärkt werden müssen, versteht sich von selbst.

Aufschlussreich werden die Befunde auch, wenn man eine Aufgliederung nach Ländern vornimmt: So hat Hessen gerade im Bereich der Lesekompetenz bei der gleichfalls vor wenigen Wochen veröffentlichten IQB-Bildungsstudie herausragende Ergebnisse erzielt: Trotz einer weit überdurchschnittlichen Zunahme der Viertklässler, die aus einer Zuwandererfamilie kommen, landeten hessische Grundschüler bei den Leistungen im Fach Deutsch im oberen Drittel. Der klare Fokus auf die deutsche Sprache als unerlässlichem Fundament schulischer Bildung, die entschlossene Umsetzung der zunächst als ‚Zwangsgermanisierung‘ verspotteten Vorlaufkurse, aber auch die klaren Bekenntnisse zum Erlernen der Schreibschrift und einer korrekten Orthographie sind dabei maßgebliche und von der CDU-Fraktion seit jeher entschlossen durchgesetzte Instrumente für eine erfolgreiche Bildungslaufbahn und für die Herstellung von Bildungsgerechtigkeit.

Dass eine gebundene Ganztagsschule die schulischen Leistungen von Kindern aus bildungsfernen Familien positiv beeinflusst, konnte von der Wissenschaft bislang nicht nachgewiesen werden. So haben auch die Sachverständigen in der Enquete-Kommission Bildung hinterlegt, dass Ganztagsschulen den in sie gesetzten Erwartungen nicht gerecht werden und insbesondere Migrantenkinder nicht von gebundenem Ganztagsunterricht profitieren. Die umfassende Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen (StEG) gelangt sogar zu dem Verdikt: ‚Auch für Jugendliche aus niedrigeren sozialen Schichten oder mit Migrationshintergrund lässt sich über vier Jahre hinweg kein Effekt der reinen Ganztagsschulmaßnahme auf ihre Schulleistungen nachweisen – es liegt in dieser Hinsicht also kein kompensatorischer Effekt für bildungsbenachteiligte Schülergruppen vor.‘

Das SPD-Konzept der flächendeckenden Zwangsganztagsschule ist weder wissenschaftlich fundiert, noch stößt es auf Akzeptanz bei den Eltern und in den Schulgemeinden. Obwohl die Landesregierung mit einer Ausnahme allen Wünschen von Schulen auf die Einrichtung gebundener Ganztagsschulen zugestimmt hat, haben sich mangels Bedarf weniger als zehn Prozent der Schulen für eine solche Organisationsform ausgesprochen. Als CDU-Fraktion setzen wir daher beim Ausbau der Ganztagsangebote auch weiterhin auf das Prinzip der Freiwilligkeit und der Vielfalt, das den Eltern und nicht der Regierung die Entscheidungen überlasst, ob ihr Kind in einer Halbtags-, einer Ganztagsschule besser aufgehoben ist.“

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Armin Schwarz

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