„Die Fusion von zwei der bedeutendsten Börsenbetreiber weltweit bietet einmalige Chancen: Ziel muss es sein, den Finanzplatz Frankfurt und die Fortentwicklung der Deutschen Börse AG im internationalen Wettbewerb zu stärken. Deshalb muss eine Lösung gefunden werden, die langfristig die Vielzahl hochqualifizierter Arbeitsplätze bei der Deutschen Börse AG am Standort Frankfurt/Eschborn sichert, die Fortentwicklung der öffentlich-rechtlichen Börsen sicherstellt und gleichzeitig den Finanzplatz international noch konkurrenzfähiger werden lässt. Zudem müsste die logische Konsequenz aus der Eigentümerzusammensetzung sein, dass der Sitz der künftigen Börsenholding Frankfurt ist“, erklärte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Michael Boddenberg, zu den Plänen der Deutschen Börse AG zur Fusion mit der London Stock Exchange Group. Beide Unternehmen seien in sich wesentlich ergänzenden Geschäftsbereichen tätig und könnten nach Presseberichten Kosten in Höhe von 250 bis 400 Millionen Euro einsparen. Zudem eröffneten sich einer gemeinsamen Holding neue Chancen in Südostasien.

Erforderlich sei nun eine abgewogene Prüfung, nicht nur auf Landesebene, sondern auch durch die Europäische Kommission. „Eine solche sorgfältige und kritische Prüfung mit Blick auf die Folgen für die Frankfurter Wertpapierbörse und die Eurex muss auch die Folgen für den Finanzplatz Frankfurt beinhalten. Die Deutsche Börse AG tut gut daran genau zu überlegen, durch welche weiteren Maßnahmen hier vorhandenen Bedenken begegnet werden könnte“, so Boddenberg weiter.

„Auch der Zeitpunkt einer möglichen Fusion wird über ihren Erfolg entscheiden, denn wenn Großbritannien im Juni dieses Jahres tatsächlich aus der Europäischen Union austritt, werden sich auch erhebliche Folgen für die Position und das Verhältnis der beiden Börsenplätze zueinander ergeben“, sagte Boddenberg.

„Selbstverständlich wird sich der für die Prüfung zuständige Minister Tarek Al-Wazir jeder Vorfestlegung enthalten und unterstreichen, dass nach Recht und Gesetz sowie bestem Wissen und Gewissen geprüft wird. Gleichzeitig hat er in der Plenardebatte am vorvergangenen Donnerstag mehr als deutlich gemacht, dass sich die Landesregierung der Bedeutung des Finanzplatzes und der Fortentwicklung der Börse im Hinblick auf die Arbeitsplätze und die Wirtschaftskraft des Rhein-Main-Gebietes sehr bewusst ist. Auch Finanzminister Dr. Thomas Schäfer hat sich Anfang März beim 9. Finanzplatztag der WM-Gruppe dafür ausgesprochen, vor allem eine ‚rational und ökonomisch‘ bestimmte Entscheidung zu treffen.“

Die Landesregierung habe in den vergangenen Jahren viel zur Stärkung des Finanzplatzes Frankfurt im deutschen und europäischen Vergleich beigetragen. „Frankfurt ist nicht nur Sitz der Europäischen Zentralbank, der Aufsichtsbehörden sowie der Bundesbank und der BaFin-Wertpapieraufsicht, sondern auch der zentralen Institute der drei Säulen des Bankensektors in Deutschland. Am Finanzplatz Frankfurt sind alle international bedeutsamen Bankhäuser vertreten. Er ist ein europaweit führender Standort für das Asset Management und die Investmentbranche. Die European Exchange (Eurex) ist Europas größte Derivatebörse mit weltweiter Handelsteilnehmerschaft und Bedeutung. Die Frankfurter Wertpapierbörse ist die bedeutendste Wertpapierbörse der Eurozone“, so Boddenberg. Zu den Erfolgen zählten auch der Aufbau des RMB-Zentrums Frankfurt mit der Ansiedlung des ersten Renminbi-Clearing-Hubs außerhalb Asiens sowie die Ansiedlung des operativen Sitzes des globalen G20-Projektes „Global Legal Entity Identifier System“ für eine eindeutige Kennung für Rechtsträger im Finanzmarkt.

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Michael Boddenberg

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