• Reformation revolutionierte die Kirche und den Staat
  • Reformationsbewegung prägt bis heute unser Freiheitsverständnis
  • Historische Errungenschaften der Reformation sind Richtschnur für die Bewältigung heutiger Aufgaben

Anlässlich des Setzpunktes der CDU-Landtagsfraktion zum 500-jährigen Reformationsjubiläum erklärte der kirchenpolitische Sprecher der hessischen CDU-Landtagsfraktion, Tobias Utter:

„Wenige historische Ereignisse haben nachhaltig so viel verändert wie die Reformation. Sie hatte tiefgreifende Auswirkungen auf sehr viele Bereiche des Lebens und hinterließ weltweit Spuren, die auch 500 Jahre danach noch sichtbar sind. Auch von Hessen gingen vielfältige Impulse aus, die im Ergebnis entscheidend zum europäischen Prozess der Reformation beitrugen. Dabei war die Reformation ursprünglich von Luther als innere Veränderung der Kirche gedacht, um zahlreiche Missstände abzubauen. Letztendlich führte sie jedoch zu einer von Luther nicht beabsichtigten Spaltung der Kirche und zu einer Spaltung der deutschen Gebiete in katholische und protestantische. Die Reformation revolutionierte allerdings nicht nur Kirche und Theologie, sie setzte eine umfangreiche gesellschaftspolitische Entwicklung in Gang: Musik und Kunst, Wirtschaft und Soziales, Sprache sowie Recht und Politik – kaum ein Lebensbereich blieb von der Reformation unberührt. Insbesondere trug das Reformationsgeschehen zur Entwicklung des mündigen Christseins bei. So erfuhren sich die Menschen allein durch das Vertrauen auf die Gnade Gottes zu einer neuen existentiellen Freiheit befähigt und berufen. Dieses Freiheitsverständnis verweist noch heute auf die tiefe Dimension einer Erfahrung, die für das Selbstverständnis und Selbstbewusstseins des Menschen grundlegend sein kann. Es wurde ferner zum Schlüsselereignis für die spätere Herausbildung der Glaubens- und Gewissensfreiheit.

Die Bewahrung und Fortentwicklung der durch die Errungenschaften der Reformation geprägten abendländischen Kultur in einer weltanschaulich pluralen Gesellschaft stellt allerdings eine bleibende Aufgabe dar. Das Reformationsgeschehen trug dazu bei, Regelungen zu entwerfen, die ein friedliches Nebeneinander und inzwischen sogar ökumenisches Miteinander getrennter und einst verfeindeter Konfessionen ermöglicht. Hessen ist durch seine multikonfessionelle Bevölkerung mit unterschiedlichen religiös-spirituellen Traditionen auf ein friedliches Miteinander der Religionen angewiesen. Dies erfordert für jede Zeit den Willen und die Fähigkeit, religiöse Konflikte zu bewältigen.

Heute stehen wir erneut vor einer Herausforderung. Es geht um die Integration und die Rolle des Islam in unserer Gesellschaft, die aus Evangelischen, Katholischen, Orthodoxen und jüdischen Gläubigen, aber auch Menschen ohne religiöse Bindungen besteht. Die Erfahrungen der Reformation und der daraus mühsam erlernte Umgang mit religiösen Konflikten können uns dabei helfen. Der durch Reformation und Aufklärung verstärkte Prozess der institutionellen und theologischen Modernisierung und der rationalen Debatte über Glaubensfragen, den beide christliche Konfessionen durchlaufen mussten, könnte auch für die Repräsentanten muslimischen Glaubens beispielgebend sein. Der Friede unter den Konfessionen und Religionen ist und bleibt eine entscheidende Voraussetzung für das gelingende Zusammenleben.“

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tobias.utter

Tobias Utter

Europapolitischer Sprecher, Ältestenratsmitglied

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