• Bundesweit erstmals durchgeführte Dunkelfeldstudie erfasst Gewalterfahrungen an Schulen
  • Ergebnisse leisten maßgeblichen Beitrag zur Erarbeitung von bedarfsgerechten Schutzkonzepten und Präventionsstrategien
  • Umfangreiche Maßnahmen der Hessischen Landesregierung zur Bekämpfung von sexueller Gewalt werden auf der Grundlage der Befunde weiter ausgebaut

Anlässlich der heutigen Vorstellung der Ergebnisse der SPEAK-Studie „Sexualisierte Gewalt in der Erfahrung Jugendlicher“ erklärte die Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion für Familienpolitik und frühkindliche Bildung, Bettina M. Wiesmann:

„Als institutionellem Schutzraum kommt den Schulen bei der Bekämpfung von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt eine besondere Verantwortung zu. Neben ihrem Bildungsauftrag haben Schulen auch einen besonderen Schutzauftrag für die ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen, der die Bewahrung junger Menschen vor sexueller Gewalt und Übergriffen sowie die Bereitstellung von Unterstützungs- und Hilfeleistungen sicherzustellen hat. Um bedarfsgerechte und zielgenaue Handlungsstrategien, Schutzkonzepte und Präventionsmaßnahmen erarbeiten zu können, bedarf es dabei sog. ‚Dunkelfeldstudien‘, die über die amtlich registrierten Meldungen von sexueller Gewalt hinaus die tatsächlichen Erfahrungen und Wahrnehmungen von Gewalt im schulischen Alltag erfassen. Mit der vom Hessischen Kultusministerium in Auftrag gegebenen SPEAK-Studie werden nun erstmals in Deutschland in einer qualitativ und quantitativ angelegten Untersuchung sexuelle Gewalthandlungen in ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen – einschließlich nicht-körperlicher und digitaler Gewalt – erfragt und wissenschaftlich aufgearbeitet. Insgesamt 2719 Schüler der 9. und 10. Klassen an weiterführenden Schulen nahmen dazu auf freiwilliger und anonymer Grundlage an der von den Universitäten Marburg und Gießen durchgeführten Studie teil.

Die SPEAK-Studie ist Teil eines umfangreichen Maßnahmenkataloges der Hessischen Landesregierung zur Bekämpfung von sexuellem Missbrauch und sexueller Gewalt. Im Rahmen des 2012 ressortübergreifend erarbeiteten ‚Aktionsplanes des Landes Hessen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt in Institutionen‘ arbeitet die Hessische Landesregierung an der gesamten Aufgabenkette zur Bekämpfung sexuellen Missbrauchs – von der Aufklärung über die Ursachenforschung bis hin zu Sanktion und Prävention. So beteiligte sich Hessen beispielsweise als eines der ersten Bundesländer an der Initiative ‚Schule gegen sexuelle Gewalt‘ des Unabhängigen Bundesbeauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig. Die von der Landesregierung überarbeitete ‚Handreichung zum Umgang mit sexuellen Übergriffen im schulischen Kontext‘ bietet detaillierte Hilfestellungen in Form von Handlungsempfehlungen, Beurteilungshilfen, Präventionsmaßnahmen und Kontaktdaten zu Hilfeeinrichtungen – bis hin zum Muster eines Beschwerdebogens für Schülerinnen und Schüler. Damit diese zum Einsatz kommen, sind seit 2016 Qualifizierungsmaßnahmen für die schulischen Ansprechpersonen in allen Schulamtsbezirken im Gange bzw. geplant.

Die Ergebnisse der SPEAK-Studie unterstreichen den Vorbildcharakter der bereits getroffenen Maßnahmen und machen zugleich deutlich, an welcher Stelle die Anstrengungen im Bereich der Prävention intensiviert und ausgebaut werden sollten. Insbesondere mit Blick auf das Alter des Erfahrungsrisikos, die Rolle der Gleichaltrigen als Risikoquelle und die Auswirkungen von Pornographie liefert die Studie dabei wichtige Ansätze zur Weiterentwicklung der Präventionsarbeit an den hessischen Schulen.“

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