Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, hat am Dienstag die bildungspolitische Überzeugung seiner Partei unterstrichen, dass „junge Menschen in einem gegliederten Schulwesen die besten Entwicklungs- und Zukunftschancen haben“. Damit wandte der CDU-Politiker sich vehement gegen die Pläne der hessischen SPD, eine Zwangseinheitsschule für alle Schülerinnen und Schüler einzuführen. „Es gibt in der hessischen SPD unter Frau Ypsilanti leider die Absicht, das bewährte und mehrgliedrige Schulwesen abzuschaffen. Dahinter steht ein fester ideologischer Wille. Wir in der CDU-Fraktion stehen dafür ein, dass nicht der praktisch begabte neben dem theoretisch begabten Schüler eingesperrt wird und die beiden sich gegenseitig in ihrer Entwicklung behindern“, so Wagner bei seiner Eröffnungsrede des Bildungskongresses der CDU-Fraktion in Bad Homburg.

Wagner betonte, dass Hessen Gefahr laufe, "in einen Schulkampf auf dem Rücken der Kinder" zurückzufallen. "Frau Ypsilanti will wie ihre Kollegin, die Landesvorsitzende Hannelore Kraft in Nordrhein-Westfalen, die Zwangseinheitsschule einführen", so der CDU-Politiker. "Wir sind der Auffassung, dass die Grundlagen in der Bildungspolitik in Hessen stimmen und wir auf diesen die Zukunftschancen für unsere Kinder am besten weiterentwickeln können. Daran wollen wir anknüpfen und unsere Politik konsequent fortschreiben." Wagner verwies in diesem Zusammenhang auf die unter Kultusministerin Wolff bereits erreichten Erfolge wie die insgesamt 4.300 neuen Lehrerstellen, die Deutschvorlaufkurse, die mittlerweile bundesweit Vorbildcharakter haben, und die drei Milliarden Euro, die die CDU-geführte Landesregierung insgesamt für Bildung ausgegeben habe. "Soviel wurde noch nie in Bildung investiert", stellte Wagner klar. Über die Jahre seit 1999 sei eine "stille Revolution" im Bildungsbereich gelungen und ein Großteil der Irrtümer der 68er beseitigt worden. "Die Wettbewerbsfähigkeit der hessischen Schulabgänger hat sich im Vergleich  mit anderen Bundesländern erheblich verbessert. Bildung in Hessen ist unter der Verantwortung der CDU wieder etwas wert."
 
Freiheit und Individuum haben Vorrang
Der hessische Ministerpräsident Roland Koch hat Individuum, Dezentralität und Wettbewerb als die drei zentralen Prinzipien, bezeichnet, um die sich "in der Bildung alles dreht". "Wir wollen das Individuum in seiner Kraft stärken, so zu lernen, wie es lernen mag. Dezentral ist es Aufgabe, die Umgebung so zu organisieren und die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit dies möglich ist. Alle sollen voneinander wissen, wie gut oder schlecht sie sind. Damit ist Vergleichbarkeit und Wettbewerb gewährleistet. Das ist die Trilogie für ein modernes Schulsystem", machte Koch deutlich. 
Der von der hessischen SPD geplanten Einheitsschule erteilte der Ministerpräsident ebenfalls eine deutliche Absage und plädierte für die verschiedenen Schulformen. "Man darf nicht alle diese verschiedenen Menschen in einen Raum stecken, weil man damit den Menschen nicht gerecht wird. Mit uns wird es keine Zwangseinheitsschule geben, Freiheit hat Vorrang", so Koch. "Hauptschulen und SchuB-Klassen, die praxisbezogen arbeiten, können die jungen Menschen hier genau so faszinieren wie den Gymnasiasten das Lesen von Büchern. Jeder hat das individuelle Recht sich seinen Begabungen gemäß zu entwickeln." Den hessischen Sozialdemokraten hat Koch vorgeworfen "unglaublich auf die akademische Ausbildung fixiert" zu sein. Deswegen habe Rot-Grün sich auch nie um die Hauptschule gekümmert. Als eine "Lüge" hat der Ministerpräsident die Aussage bezeichnet, dass eine Schulentscheidung im vierten Schuljahr eine Lebensentscheidung sei.
Koch betonte, dass seine Regierung den Stundenplan wieder aufgefüllt und den Ausfall von 100.000 Stunden pro Woche unter Rot-Grün beseitigt habe. Zur externen Vertretungsregelung im Rahmen der Verlässlichen Schule sagte Koch, dass eine erfahrene Aushilfe "weit besser" sei als das Ausfallen von Stunden. "Ohne Lehrer ist es nicht zu machen, aber auch jemand der andere Erfahrungen einbringt, kann Wertvolles in einer Vertretungsstunde leisten." Das achtjährige Gymnasium nannte Koch "selbstverständlich". "Unsere Schüler waren benachteiligt, weil sie ein Jahr älter waren als die Schulabgänger im internationalen Vergleich und mittlerweile auch den meisten anderen Bundesländen", so Koch abschließend.
 
Forum I: Beste Bildung für alle - Zukunftschancen sichern
Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, die hessische Kultusministerin Karin Wolff, der Buchautor und ehemalige Leiter der Schule Schloss Salem, Dr. Bernhard Bueb, der Präsident des Hessischen Handwerkstages, Bernd Ehinger, und die Studienrätin und Initiatorin der Schulkleidung, Karin Brose, diskutierten die Frage, wie verschieden begabte Schüler optimal gefördert werden können. Dabei sei von entscheidender Bedeutung, den Kindern die Stärkung ihres Selbstwertgefühls zu ermöglichen, sagte Bueb. Schule müsse allgemein zur "Charakterschule" werden.
Für praktisch begabte Kinder übernehme diese Aufgabe die neu profilierte Hauptschule in hervorragender Weise, sagte Wolff. Von der Hauptschule seien immer auch pädagogische Neuerungen für alle Schulformen ausgegangen. Die Ministerin verwies auf die höchst erfolgreichen SchuB-Klassen, in denen Hauptschüler zwei Tage in der Woche in Betrieben mitarbeiten. Sie stärkten damit ihr Selbstwertgefühl und ihre Schulleistungen und erreichten zu 90 Prozent ihren Hauptschulabschluss. „Die Hauptschule muss zur SchuB-Schule werden", folgerte sie. Wolff wurde in dieser Zielsetzung von Ehinger unterstützt, der betonte, dass nach wie vor 50 Prozent aller Auszubildenden im Handwerk aus den Hauptschulen kämen. Das Problem mangelnder Ausbildungsreife bestehe somit nur bei einer Minderheit. Diese müsse wie bisher schon, vor allem durch Sprachförderungsmaßnahmen, unterstützt werden.
Im Hinblick auf die Gymnasien und berufliche Bildung betonte Wolff, dass Hessen bereits heute mit einer Studienanfängerquote von 46 Prozent bundesweit auf Platz drei liege. 30 Prozent eines Jahrgangs machten Abitur und 16 Prozent gingen ihren Weg zur Hochschulreife etwa über die berufliche Bildung. "Das beweist: Die Durchlässigkeit in unserem vielfältigen, gegliederten Schulsystem ist da und funktioniert gut." Angesichts dessen und der Tatsache, dass weltweit kein anderes Land ein so gut ausgebautes berufliches Bildungssystem habe, betonte Meidinger: „Das Gymnasium kann nicht die Schule für alle Schüler sein" und müsse dies auch nicht.
Alle Experten lehnten eine Einheitsschule für alle ab bzw. plädierten auch bei einer stärkeren Zusammenarbeit von Haupt- und Realschulen, wie sie in Hessen bereits der Fall ist, für eine "starke Binnendifferenzierung", so Brose. Als nach eigener Aussage "eine der ersten Finnland-Reisenden nach PISA" betonte Wolff, dass die finnische Schulstruktur schon aufgrund der völlig unterschiedlichen räumlichen Gegebenheiten und einer im Gegensatz zu Hessen minimalen Ausländerquote nicht auf Hessen zu übertragen sei. Sehr gut seien aber die finnischen "klaren Anforderungen an Schulleistungen und klare zentrale Prüfungen", die für Hessen, wie im Fall des Landesabiturs und des G 8, bereits übernommen wurden. Moderiert wurde das Podium von Peter Hanack, Frankfurter Rundschau.
 
Forum II: Spitzenforschung und Wissenstransfer – Innovative Impulse für den Standort Hessen
Unter Moderation von Sascha Zoske, Frankfurter Allgemeine Zeitung, diskutierten Udo Corts, Hessischer Minister für Wissenschaft und Kunst, Professor Dr. Kurt Steinhoff, Ordinarius am Lehrstuhl für Umformtechnik der Universität Kassel, Professor Dr. Rudolf Steinberg, Präsident der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt, Helmut Hund, Geschäftsführer der Helmut Hund GmbH sowie Nanotechnologie-Beauftragter des Landes Hessen, und Professor Dr. Stefan Gäth vom Institut für Landschaftsökologie und Ressourcenmanagement an der Justus-Liebig-Universität Gießen über die notwendige Nähe und Verknüpfung von Wissenschaft und Wirtschaft.
Die wichtigste Form des Wissenstransfers sei die Bildung und Ausbildung junger Menschen, stellte Professor Steinberg klar. Die Diskutanten waren sich einig, stärker die Chancen eines Projektes betonen zu müssen als ausschließlich die Risiken. Es gelte, durch Kooperation mit den Hochschulen Studierende in die Unternehmen zu bringen. Corts wies darauf hin, dass nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Wissensgesellschaft zunehmend global ausgerichtet sei. "Wir leben von klugen Köpfen", machte der Wissenschaftsminister unmissverständlich deutlich. Hinsichtlich der Frage, ob das politische Klima in Hessen stimme, um die Spitzenforschung und den Wissenstransfer voranzutreiben, sahen die Podiumsteilnehmer Hessen "auf dem richtigen Weg". Die Regionalisierung der Forschungsinfrastruktur und der Aufbau einer Kooperationskultur seien hier von besonderer Bedeutung, führte Professor Steinhoff aus.
Seit Übernahme der Regierungsverantwortung durch die CDU sei ein politischer Wandel eingetreten; durch das Hochschulbauinvestitionsprogramm HEUREKA und das Forschungsförderprogramm LOEWE habe eine "positive Veränderung von Strukturen“ stattgefunden, meinte Professor Steinberg. Staatsminister Corts erinnerte daran, dass die Regierung Koch im Jahre 1999 „aus einem tiefem Tal" nach rot-grüner Regierungsverantwortung gestartet sei und seitdem eine massive Aufholjagd hingelegt habe. Allein der Hochschuletat liege heute um circa 250 Millionen Euro höher im Vergleich zu Rot-Grün. Auch im Hochschulbau profitierten die Hochschulen von einem bundesweit einmaligen Programm mit einem Gesamtvolumen von drei Milliarden Euro bis zum Jahr 2020.
Unter großem Applaus der Gäste skizzierte Corts zudem die positiven Wirkungen von Studienbeiträgen, die ab dem kommenden Wintersemester in Hessen eingeführt werden. Es gehe hierbei um eine "anteilige Mitfinanzierung“ an den Ausbildungskosten, die im internationalen Vergleich seit langem üblich sei. Es werde dadurch eine Gerechtigkeitslücke gegenüber anderen Ausbildungsformen geschlossen; man müsse die "Werthaltigkeit eines Studiums ins rechte Licht rücken". Der Minister bekräftigte unter Zustimmung der übrigen Teilnehmer den "Anspruch auf eine Gegenleistung", da sämtliche Einnahmen direkt und ungeschmälert an die Hochschulen gingen und stellte in diesem Zusammenhang eine Dokumentation der jeweiligen von den Hochschulen zu erbringenden Leistungen in Aussicht.Hier finden Sie die Rede von Roland Koch als PDF>>

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