Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, hat in der heutigen Plenardebatte zum Hessischen Kulturpreis für eine Versachlichung der Debatte geworben: "Debatten über den interreligiösen Dialog verlangen Nachdenklichkeit und Gründlichkeit. Sie eignen sich nicht für Polemik und vordergründigen Parteienstreit", sagte Wagner. Dem Kuratorium, dem neben zwei Mitgliedern der Landesregierung neun weitere gesellschaftlich hoch angesehene Persönlichkeiten angehörten, drohe eine dauerhafte Beschädigung durch die Vorwürfe der Grünen, befürchtete Wagner.

Der Fraktionsvorsitzende bekräftigte die Notwendigkeit eines interreligiösen Dialogs und nannte Anforderungen: Die Beteiligten dürften die jeweils andere Religionen nicht mit den Maßstäben der eigenen Religion und des eigenen Glaubens messen oder beurteilen. "Toleranz ist das oberste Gebot. Toleranz verbietet Stellungnahmen, die andere Religion in ihren Gefühlen verletzen können", betonte Wagner mit Blick auf den am 14. März 2009 von Kermani veröffentlichten Artikel in der Neuen Züricher Zeitung, in dem dieser formuliert:
 ?Kreuzen gegenüber bin ich prinzipiell negativ eingestellt. [?] Nebenbei finde ich die Hypostasierung des Schmerzes barbarisch, körperfeindlich, ein Undank gegenüber der Schöpfung. [?] Für mich formuliere ich die Ablehnung der Kreuzestheologie drastischer: Gotteslästerung und Idolatrie?
 
"Der Vorwurf der Lästerung ihres eigenen Gottes ist in allen Religionen der schwerste religiöse Vorwurf überhaupt", stellte Wagner fest. Die Reaktion der christlichen Preisträger Kardinal Lehmann und Prof. Steinacker belege, dass Kermanis Äußerungen religiöse Gefühle verletzt hätten.
Kermani habe anschließend ein zweites Mal gegen die Regeln verstoßen, indem er den Wunsch der beiden christlichen Preisträger ablehnte, eine schriftliche Äußerung zur Klärung abzugeben. "Somit war es Herr Kermani, der als erster den Dialog abgebrochen hat", stellte Wagner fest. Der Unterschied zum Fall Sezgin, der den Preis wegen einer politischen Äußerung abgelehnt habe, bestehe darin, dass sich Lehmann und Steinacker in ihren religiösen Gefühlen verletzt gefühlt hätten. Lehmann habe die Annahme ausdrücklich nicht verweigert, sondern, wie er in der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20. Mai 2009schrieb,
?deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ich den Preis unter diesen Umständen nicht in Empfang nehmen kann. Vielleicht könnte - so dachte ich ? Kermani ja auch seine Äußerungen erläutern.?
 
Als Herrn Kermani die Möglichkeit gegeben wurde, darauf zu reagieren, habe dieser abgelehnt. Dies müsse man ihm vorwerfen, ebenso wie die anschließende Polemik gegenüber Ministerpräsident Roland Koch und dem Kuratorium, sagte Wagner. "Diese Äußerungen waren unklug und dem interreligiösen Dialog sicher nicht zuträglich. Statt einer Entschuldigung oder des Versuchs einer Erklärung seiner Absichten: Ablehnung und Beleidigungen. Dieses Verhalten hat das Kuratorium dazu veranlasst, auf ihn als Preisträger zu verzichten", erklärte der CDU-Politiker.
"Dennoch ist die Entscheidung des Kuratoriums, ein Gespräch zwischen den Preisträgern zu organisieren, richtig. Sie dient der Wiederaufnahme des Dialoges. Ministerpräsident Roland Koch und dem Kuratorium gilt unser ausdrücklicher Dank für das Engagement, den Dialog zwischen den Preisträgern zu initiieren und zu moderieren. Richtig ist auch, dass die Landesregierung sich zu den inhaltlich religiösen Fragen nicht äußert und damit neutral bleibt. Wir dürfen aber vor lauter Neutralität und politischer Korrektheit nicht unsere eigenen Wurzeln vergessen. Wenn wir aus Angst davor, Empfindlichkeiten anderer Religions- oder Gesellschaftsformen zu verletzen, unsere eigenen Symbole und Positionen verstecken, machen wir einen Dialog unmöglich", warnte Wagner.
Es sei daher von großer Bedeutung, sich bewusst zu machen, dass das Grundgesetz Ausdruck des christlich-abendländischen Weltbildes sei. Grundrechte wie Freiheit, Gleichheit aller Menschen, Gleichberechtigung und Schutz von Ehe und Familie seien Ausprägungen des christlichen Menschenbildes. Auch habe die katholische Soziallehre maßgeblichen Einfluss darauf gehabt, dass die bestehende Wirtschaftsordnung eine "soziale" Marktwirtschaft und das Sozialstaatsprinzip im Grundgesetz verankert worden sei. "Es ist unsere Aufgabe nicht nur als Christen, sondern auch als Politiker, diese Traditionen aufrecht zu erhalten, denn sie haben unseren Staat zu dem gemacht, was er ist. Ein freiheitsliebender offener und sozialer Staat. Ein Staat, der den Menschen in den Mittelpunkt rückt. Es ist ein Staat mit christlich-humanistischen Werten, in dem wir leben. Nur wenn wir uns zu den christlichen Wurzeln unserer Gesellschaft und unseres Staates bekennen, kann ein interreligiöser Dialog gelingen", sagte Wagner abschließend.

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