In der Landtagsdebatte über die Deutsche Einheit bedauerte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Dr. Christean Wagner, dass SPD und Grüne erst mit erheblicher Verspätung parlamentarisch auf das 20. Jubiläum der Wiedervereinigung reagiert hätten. Wagner kritisierte außerdem, dass die SPD einen Teil des gemeinsamen Antrages von CDU und FDP schlichtweg abgeschrieben habe. In der Debatte habe die SPD der CDU ohne Not Vorwürfe im Hinblick auf die ehemalige Ost-CDU gemacht. Wagner wies zudem die Vorwürfe der SPD hinsichtlich des Verhaltens der CDU im Zusammenhang mit dem KSZE-Prozess zurück.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende hatte in seiner Entgegnung die großen Verdienste des damaligen Bundeskanzlers Dr. Helmut Kohl hervorgehoben und darauf hingewiesen, dass "sich SPD und Grüne noch 1989 ausdrücklich gegen eine Wiedervereinigung ausgesprochen hatten." In diesem Zusammenhang erinnerte er an den Beschluss des SPD-Landesparteitages vom September 1989: 

"Während Außenminister Genscher am 30. September 1989 tausende DDR-Flüchtlinge in der Prager Botschaft erlöst, beschließt die SPD Hessen am gleichen Tag auf ihrem Parteitag in Limburg, sich gegen das im Grundgesetz verankerte Wiedervereinigungsgebot auszusprechen. In der einstimmig verabschiedeten Resolution heißt es: 'Die deutsche Politik hat zur Kenntnis zu nehmen, dass 50 Jahre nach dem deutschen Überfall auf Polen und 40 Jahre nach Gründung zweier deutscher Staaten weder bei unseren westlichen Partnern, noch bei unseren östlichen Nachbarn die Bereitschaft geweckt werden kann, die Einheit Deutschlands auf die Tagesordnung der Weltpolitik zu heben.' (FAZ, 3. Oktober 1989)"
Wagner zitierte in der Debatte weitere historische Aussagen von SPD und Grünen: 

"''ie deutsche Frage steht derzeit als akute Frage der Wiedervereinigung entgegen aller Demagogie auch von Seiten rechter CDU/CSU-Kreise, bei der auch der derzeitige Ministerpräsident in populistischer Manier mitzieht, nicht auf der weltpolitischen Tagesordnung - und schon gar nicht so, wie manche aus dem rechten politischen Lager das wollen. Der Begriff Wiedervereinigung ist ohnehin ein problematisches Schlagwort [?] Zusätzlich unterminiert das Wiedervereinigungsgetöne alle Ansätze einer vernünftigen deutsch-deutschen Politik. [?] Es geht um den Dialog mit der SED, die längst nicht mehr ein festgefügter versteinerter Block ist.' Aus dem SPD-Info-Dienst 'Wir Hessen' Ausgabe 11/1989."
 

"Joschka Fischer am 20. September 1989 im Hessischen Landtag: 'Diese Wiedervereinigung will außer den deutschen Konservativen und außer jenen, die aufgrund verhinderter Reformen in der DDR keine andere Perspektive mehr sehen, in Europa und in der Welt niemand. [?] Vergessen wir die Wiedervereinigung! [Sie glauben daran, ich glaube nicht daran.] Warum halten wir nicht für die nächsten 20 Jahre die Schnauze darüber?'"
 
"Diese Aussagen belegen, wie die Positionen von hessischer SPD und hessischen Grünen im Wendejahr 1989 waren. Wir als CDU haben hingegen das Ziel der Deutschen Einheit nie aus den Augen verloren. Ich fordere deshalb alle Parteien auf, zu ihren politischen Aussagen und ihrer historischen Rolle rund um die Deutsche Einheit zu stehen und keine Geschichtsklitterung zu betreiben", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende.

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