Der Arbeitskreis Bildungspolitik der CDU-Landtagsfraktion und eine große Delegation von Vertretern hessischer Schulleitungen sowie der Handwerks- und Handelskammern haben kürzlich die Kooperative Gesamtschule (KGS) und die Berufsbildende Schule in Neustadt am Rübenberge in Niedersachsen besichtigt. So konnten sich über 40 hessische Interessenten aus Politik, Wirtschaft und Schule direkt vor Ort über den niedersächsischen Modellversuch informieren. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Hans-Jürgen Irmer, berichtete heute auf einer Pressekonferenz in Wiesbaden begeistert über den "erfolgreichen Schulversuch". "Beide Schulen bieten ihren Schülerinnen und Schülern eine optimale Vorbereitung auf einen erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben und somit auf ein selbstbestimmtes Leben", so der CDU-Politiker.

Die Fachleute aus Politik, Wirtschaft und Schule zeigten sich begeistert davon, dass es keine Schulabbrecher gäbe. Dass kein Hauptschüler die Schule ohne Abschluss verlässt, sei mehr als bemerkenswert, betonten die Experten. Darüber hinaus beeindruckte die von allen Lehrkräften praktizierte "Politik des Hinsehens", die durch klare Regeln und die Nutzung von Streitschlichterkonzepten begleitet werde. Die enge Einbindung von Eltern und Schülern sorgt zusätzlich für eine starke Identifikation mit der Schule. 
"Wir sehen den Schulversuch als eine sinnvolle Ergänzung zum bereits erfolgreichen Programm der SchuB-Klassen an", so Irmer. Aktuell kommen nur Schülerinnen und Schüler in die hessischen SchuB-Klassen, die voraussichtlich nicht den Hauptschulabschluss erreichen können. Im Vorfeld müssen die Jugendlichen gemeinsam mit ihren Eltern eine Erziehungsvereinbarung mit klaren Pflichten unterschreiben und einhalten. In kleineren Klassen mit einem hohen Praxisanteil werden die Schüler zu einem Abschluss geführt. Gelernt und gearbeitet wird in der Schule sowie an zwei Tagen pro Woche in einem Betrieb. SchuB-Klassen gibt es in den Klassen 8 und 9 an Haupt-, Förder- und Kooperativen Gesamtschulen bzw. SchuB-Maßnahmen an Integrierten Gesamtschulen. Neben den SchuB-Klassen wurde in Hessen seit 1999 eine Vielzahl von Maßnahmen umgesetzt, um die Hauptschule wieder zu stärken. Neben einer eigenen Stundentafel wurde ein neuer Lehrplan erlassen. Außerdem wurden die Hauptfächer massiv verstärkt und Landesprüfungen sowie Projektprüfungen für Hauptschüler eingeführt. Zusätzlich wurde der Unterricht stärker praxis- und handlungsorientiert ausgerichtet und die Vernetzung mit Betrieben vorangetrieben. 
Das "Neustädter Modell" geht aber noch weiter. Die Kooperative Gesamtschule im niedersächsischen Neustadt wurde von Bundespräsident Köhler mit dem Preis "Starke Schule" ausgezeichnet und überzeugt durch ein differenziertes Konzept der Berufsorientierung. Besonders interessant ist der wegweisende Schulversuch "Doppelqualifikation für Hauptschüler". Seit 2004 bildet die KGS Neustadt am Rübenberge die Schüler ihres Hauptschulzweigs gemeinsam mit der Berufsbildenden Schule Neustadt am Rübenberge aus. Über den allgemeinbildenden Unterricht hinaus erhalten die Schülerinnen und Schüler des 9. und 10. Jahrgangs an zwei Tagen pro Woche Unterricht in einem selbst gewählten Berufsfeld. Nach ihrem Abschluss erhalten sie Zeugnisse beider Schulen, in denen die Anteile der beruflichen Qualifikation aufgeführt sind. "Durch den parallelen Besuch beider Schulen und das praxisorientierte Lernen ist die Lernmotivation der Schüler erheblich angestiegen und die Vermittlungsquote in ein Ausbildungsverhältnis hat sich seit 2004 von durchschnittlich 14 Prozent auf nahezu 70 Prozent erhöht", lobte Irmer. 
"Bereits zum neuen Schuljahr möchten wir mehrere Modellregionen einrichten, die diesen erfolgreichen Versuch aus Niedersachsen auch in Hessen etablieren sollen, um die Hauptschule zu einer Praxisschule weiterzuentwickeln", erläuterte Irmer abschließend.

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