Der Vorsitzende aller bildungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Landtagsfraktionen, Hans-Jürgen Irmer (Hessen), bezeichnete das von Bundesbildungsministerin Annette Schavan vorgelegte Papier für eine Bildungspolitik der Union, wonach Haupt- und Realschulen in einer Oberschule zusammenfließen sollen, als „eine Diskussionsgrundlage, aber unausgereift. In Deutschland gibt es sehr gut funktionierende Hauptschulen und hervorragend funktionierende Realschulen. Zudem gibt es – etwa in Hessen - sogar die Möglichkeit, dass sich diese freiwillig unter verstärkten berufsorientierenden Aspekten zu einer Mittelstufenschule mit einem Eingang und zwei Ausgängen zusammenfinden können, wenn sie das denn möchten. Damit wird den unterschiedlichen Begabungen der Kinder in besonderer Weise Rechnung getragen“, so Irmer.

Der CDU-Bildungsexperte wies darüber hinaus darauf hin, dass sich im vergangenen Jahr sowohl die Große CDU/CSU-Fraktionsvorsitzendenkonferenz als auch die Sprecher der CDU/CSU-Landtagsfraktionen einstimmig für ein differenziertes und gegliedertes Schulwesen in Deutschland ausgesprochen hatten. Unter dem Titel „Vielfalt fördert alle“ setzen sich die Unionsfraktionen für bundesweit vergleichbare Bildungsabschlüsse, Leistungsorientierung, bessere Unterrichtsqualität und Verlässlichkeit ein. „Jedes Kind muss seinen Begabungen entsprechend individuell gefördert und gefordert werden. Deshalb streben wir nicht eine Schule für alle, sondern die richtige Schule für jeden an. Das Bildungssystem muss sich an den Kindern orientieren“, forderte Irmer. Die Beschlüsse respektierten die unterschiedlichen Entwicklungen in den Ländern. „Wenn die Bundesländer, die ohnehin bereits ein sogenanntes Zweisäulenmodell haben, ihre Stadtteilschule, Regionalschule, Mittelschule oder Oberschule zu einem Begriff vereinheitlichen, spricht natürlich nichts dagegen. Dies gilt aber eben nicht für alle Bundesländer“, so Irmer weiter.

Die bloße Umbenennung einer Schulform löse die Probleme nicht. „Man könne zwar die Hauptschule abschaffen, nicht aber die Hauptschüler. Deshalb mache es mehr Sinn, sich über pädagogische Fragen der Ausgestaltung der Hauptschulpädagogik zu unterhalten als eine Namens- oder Schulstrukturdebatte zu starten. „Das differenzierte Schulsystem muss als Markenkern der Union erhalten bleiben. Zudem folgen wir dem mehrheitlichen Wunsch der Bevölkerung nach einem gegliederten Schulwesen“, so Irmer. Einer repräsentativen Forsa-Umfrage vom September 2009 zufolge lehnen mehr als 60 Prozent der Bundesbürger die Einführung einer Einheitsschule ab. Dagegen spricht sich eine überwältigende Mehrheit von 89 Prozent für den Erhalt der Gymnasien aus (Forsa, November 2007).

In Hessen gebe es zudem die historisch gewachsene Besonderheit der Integrierten und der Kooperativen Gesamtschulen. Wer eine Oberschule in Hessen wolle, die Haupt- und Realschüler zusammenfasse, müsse damit automatisch die Schulform IGS und KGS auflösen und verdünne damit das gymnasiale Angebot im ländlichen Raum.

 

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Hans-Jürgen Irmer

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