„Wir stehen für die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung in Hessen und Durchlässigkeit der Systeme. Die berufliche Bildung ist ein zuverlässiger Garant für gut ausgebildete Fachkräfte, sichere Arbeitsplätze und eine hohe wirtschaftliche Leistungsfähigkeit in unserem Land. Für uns fängt der Mensch eben nicht erst beim Abitur an, sondern wir sehen jede berufliche und akademische Bildung als wertvoll an. Die Bildungschancen in Hessen beruhen eben nicht auf Quoten und formalen Abschlüssen, sondern auf Qualifikationen und beruflichen Perspektiven. Der Unternehmerverband VhU sollte daher nicht den Fehler begehen, durch eine bloße Ausweitung der Studienzugangsberechtigung auf Facharbeiter ohne Hochschulzugangsprüfung und ohne Nachweis von Berufspraxis oder durch ein sechsmonatiges Mini-Abitur die Akademisierungswelle selbst noch aktiv zu forcieren“, sagte der Sprecher für berufliche Bildung der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag, Hugo Klein, anlässlich der Pressekonferenz der VhU.

„Bereits heute verfügt das hessische Bildungssystem über eine hohe Durchlässigkeit, wodurch schulische Sackgassen weitgehend der Vergangenheit angehören. So können etwa Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss erzielt haben, auf die Berufsfachschule wechseln und dort den Realabschluss erreichen. Anschließend steht ihnen die Möglichkeit offen, eine Fachoberschule zu besuchen und dort eine Studienzugangsberechtigung zu erwerben. Das von zahlreichen Staaten aus aller Welt bewunderte deutsche Modell der dualen Ausbildung hat sich dabei als zukunftssicher und krisenfest bewährt. Während in Deutschland die Jugendarbeitslosigkeit bei rund 7,5 Prozent liegt und damit den niedrigsten Wert aller 28 EU-Staaten aufweist, haben die europäischen Partnerländer ohne das bewährte deutsche Ausbildungssystem mit Arbeitslosenquoten bei Jugendlichen von zum Teil über 50 Prozent zu kämpfen“, so Klein.

„Wir sind uns mit der VhU einig darin, dass rein schulische Übergangssysteme eine weit geringe Produktivität und Effizienz vorweisen können, als die Ausbildung im dualen System. Mit der Initiative ‚Lernen und Arbeiten in Schule und Betrieb‘ (SchuB) haben wir daher ein Konzept entwickelt, das durch eine enge Verknüpfung aus Theorie- und Praxisanteilen die Zahl der Schulentlassenen ohne Abschluss deutlich reduzieren und förderbedürftigen Schülerinnen und Schülern neue Zukunftschancen und berufliche Karriereperspektiven ermöglichen konnte. Rund 90 Prozent der jährlich etwa 2.300 teilnehmenden Jugendlichen erwarben im Verlauf der Förderung erfolgreich einen Hauptschulabschluss, rund ein Drittel erhielt bereits im Verlauf der Maßnahme eine verbindliche Zusage für einen Ausbildungsplatz. Die Initiative der SchuB-Klassen bildet somit einen positiven Kontrast zu den oftmals wenig zielführenden Warteschleifen im Rahmen der vollschulischen und vielfach nur in der Theorie den Übergang in eine berufliche Ausbildung erleichternden Übergangssysteme, in die gegenwärtig in Hessen jährlich noch mehr als 20.000 Absolventen münden. Die Regierungskoalition aus CDU und GRÜNEN hat daher im Koalitionsvertrag eine Reform der Übergangssysteme mit dem Ziel vereinbart, möglichst jedem jungen Menschen eine Ausbildung - vorzugsweise im dualen System - zu ermöglichen“, sagte Klein.
 
Eine wesentliche Ursache für Fachkräftemangel sei im demographischen Wandel zu sehen. „Nur durch einen umfassenden Ansatz lässt sich das vorhandene Arbeitskräftepotential erschließen. Dies umfasst unter anderem die verbesserte Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse und die stärkere Förderung von Frauen und Männern in MINT-Studiengängen. Hinzu kommen die Verbesserung des Übergangs von der Schule in den Beruf, die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie die Stärkung der beruflichen Aus- und Weiterbildung einschließlich der kontinuierlichen Weiterqualifizierung auch gerade von älteren Arbeitnehmern. Hier hat die Fachkräftekommission eine gute Grundlage für die notwendigen Schritte geschaffen", so Klein.
 
 

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Hugo Klein

Sprecher im Unterausschuss Justizvollzug

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