Der rheingauer Landtagsabgeordnete und weinbaupolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Peter Seyffardt, hat begrüßt, dass das vom Land Hessen geförderte Verfahren der Traubenwicklerbekämpfung durch den Einsatz von Pheromon jetzt in einem Pilotprojekt an der hessischen Bergstraße angewendet wird. "Das Pilotprojekt des Landes bringt viele Vorteile für die Umwelt und die Winzer", betonte Seyffardt. Auf einer geeigneten Weinbergsfläche im "Rebmuttergarten" in Heppenheim werde die Maßnahme der Hessischen Staatsweingüter nun erprobt, die damit eine Vorreiterrolle für die Weinbaubetriebe der Region Bergstrasse einnehmen sollen.

"Die biologische Bekämpfung des Traubenwicklers wird im Rheingau von den Winzern fast auf der gesamten Fläche angewandt und hat sich hervorragend bewährt. An der Bergstraße sind die Bedingungen ungleich schwieriger, da die Anwendung des Pheromonverfahrens auch größere, zusammenhängende Weinbergsflächen voraussetzt. Durch die Anwendung des so genannten RAK- Pheromonverfahrens im Weinbau ist es nun auch an der Bergstrasse möglich, eine Bekämpfung des Traubenwicklers, der ein Hauptschädling im Weinbau ist, durch zugelassene Insektizide fast vollständig zu vermeiden. Der Nutzen dieser nachhaltigen Bewirtschaftungsform für Mensch und Natur ist groß, da so gesunde Lebensmittel erzeugt werden können und gleichzeitig den Belangen des Umwelt- und Naturschutzes gedient ist. Der Kostenunterschied ist jedoch so groß, dass viele Weinbaubetriebe ohne eine weitere Förderung zum Einsatz von Insektiziden zurückkehren würden", erläuterte der CDU-Politiker die Notwendigkeit einer weiteren Förderung durch das Land. Eine Ausdehnung auf weitere Flächen an der Bergstrasse sei wünschenswert, so Seyffardt. Er wolle zudem weitere Weinbaubetriebe ermutigen, die Anwendung des Pheromonverfahrens auf ihren Flächen zu prüfen.
Hintergrundinformationen:
Pheromone sind artspezifische Duftstoffe mit deren Hilfe die Traubenwicklerweibchen die Traubenwicklermännchen anlocken. In Deutschland treten zwei Traubenwicklerarten auf, der "Einbindige Traubenwickler" und der "Bekreuzte Traubenwickler". In Hessen finden sich mittlerweile an allen Weinbaustandorten Mischpopulationen dieser beiden Arten vor. Aufgrund des Klimawandels kommt es in den letzten Jahren gehäuft zum Auftreten von drei Traubenwicklergenerationen im Laufe eines Jahres. Da in Hessen immer auch zwei Arten auftreten, ist es schwierig den jeweils optimalen Bekämpfungszeitpunkt zu treffen, da beide Arten unterschiedlich in Zeit und Masse auftreten.
Im Weinberg aufgehängte Dispenser mit dem Pheromon schaffen eine Duftwolke. Hierdurch werden die Duftspuren der einzelnen Weibchen überdeckt. Die Männchen werden "verwirrt" und können die Weibchen nicht orten. Damit kommt es zu keiner Begattung, keiner Eiablage und keinem "Wurmbefall". Seit 2005 sind in Hessen im Rheingau knapp 2900 ha in der Förderung. Die Vorteile des Einsatzes von Pheromonen liegen in der biologischen, artenspezifischen Wirkung mit geringen Aufwandmengen und der Schonung von Nutzinsekten wie Bienen. Pheromon ist toxikologisch unbedenklich und hinterlässt keine Rückstände im Erntegut.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag